Die bedeutendsten Hochkulturen

Aztekischer Kalender

Mexiko ist ein Land, welches besonders reich an kulturellen Stätten wie Ruinen und Pyramiden ist – ein bis dato bestehendes Erbe der Hochkulturen des Landes, welche vor der Besiedelung der Spanier um 1520 in Mexiko und weiten Teilen Lateinamerikas, hier zuhause waren.
Ungefähr 13.000 archäologische Stätten finden sich in Mexiko, welche nicht nur für Besucher ein besonderes Erlebnis darstellen. Noch immer konnten ein Großteil der Kulturen und ihrer Schriften und Bräuche von Wissenschaftlern noch nicht entschlüsselt werden.

Die bedeutendsten dieser Ureinwohner der Hochkulturen waren in Mexiko die Azteken, Maya, Olmeken, Tolteken, Teotihuacán, Mixteken und Zapoteken. Jede dieser Urvölker waren in sich eigen, in ihrer Sprache, Bräuche und Kultur, ähnelten sich jedoch untereinander sehr.

Das Volk der Azteken

Im Gegensatz zum Volk der Maya, Olmeken, Zapoteken oder dem Volk von Teotihuacán, lebten die Azteken um einiges später, vom 14. bis 16. Jahrhundert nach Christus.
Die Azteken kommunizierten in “Nahuatl”, einer Sprache, die auch heute noch von Indigenen Mexikos gesprochen wird. Die Azteken waren ein sehr gläubiges Volk. Die wichtigsten Götter war der Kriegs- und Sonnengott Huitzilopochtli. Als Gegenstück dazu wurde der Gott des Regens, Tlaloc, verehrt.
Ursprünglich wurde das Volk der Azteken “Méxica” genannt, wovon sich der heutige Ländername Mexico ableitet. Der Sage nach prophezeiten die Götter dem Volk der Méxica, dass sie einen Adler sitzend auf einem Kaktus erblicken werden, welcher eine Schlange zwischen Krallen und Schnabel fest hält – das Bild, welches heute als Wappen der mexikanischen Nationalflagge zu sehen ist. An diesem Ort sollten sie sich ansiedeln. Durch ein Zeichen des Gottes Huitzilopochtli errichteten sie um 1325 auf einer kleinen Insel umgeben von Wasser die Stadt Tenochtitlán. Zu jener Zeit lebten in Tenochtitlán bereits 100.000 Azteken!
Beiden Göttern widmeten die Azteken den Großen Tempel (“Templo Mayor”) in Tenochtitlán. An diesem Ort brachte das Volk ihren Göttern zahlreiche Opfer, bei denen viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Das Volk glaubte seinerzeit, dass sie ihrem Sonnengott Opfer bringen mussten, damit die Sonne wieder hervorkommt und nicht für immer unter geht.

Moctezuma

Die Azteken waren ein sehr mächtiges Volk, welches ebenso mit einer starken Armee ausgestattet war. Sie dehnten ihr Gebiet mithilfe ihrer Krieger immer weiter aus, vom Tiefland im Süden Mexikos, bis zum heutigen Guatemala, wo damals die Maya beheimatet waren. Kriege und Feldzüge wurden jedoch nicht immer für die Landgewinnung geführt. In sogenannten “Blumenkriegen” ging es darum, so viele Gefangene wie möglich zu erbeuten, welche den Göttern der Azteken geopfert wurden oder für Sklavenarbeit gefangen genommen wurden.
Die Führung der Azteken wurde “Tlatoami” genannt, welche Gesetze und religiöse Grundsätze aufstellten und das Volk zusammen mit Hohepriestern regierten.

Bei der Eroberung durch die Spanier von 1519-1521 war Moctezuma II an der Macht, welcher das vorletzte Azteken-Oberhaupt war. Durch den Feldzug der Spanier wurde das Volk als auch die Stadt Tenochtitlán beinahe vollständig zerstört. Ebenso litten zahlreiche kulturelle Güter unter der Zerstörungswut. Auf Tenochtitlán errichteten die Spanier eine neue Stadt, welche als das heutige Mexico City bekannt ist. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde der Templo Mayor unter den Straßen Mexico Citys gefunden!

Das Volk der Mayas

Die Kultur der Maya war wohl die am weitesten entwickelte Kultur der indigenen Völker. Die Zeitmessung war für die Maya ein besonders wichtiger Aspekt. Am bekanntesten ist heutzutage wohl der Mayakalender der am 21.12.2012 endet, womit der Weltuntergang prophezeit wurde. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung dieses Kalendersystems, welches aufgrund der Genauigkeit der astronomischen Berechnung unglaublich fortschrittlich war. Am erstaunlichsten sind die Berechnungen über die Bewegung der Venus. Die Venusperiode wurde von den Mayas auf 584 Tage berechnet – was nur einen Tag von den heutigen Berechnungen abweicht.

El Castillo von Chichen ItzaDie imposanten Bauten der Maya sind weiterhin zu bestaunen. Am bekanntesten ist dabei Chichen Itzá. Mit einer Fläche von 1547 Hektar ist Chichén Itzá einer der ausgedehntesten Fundorte in Yucatán. Die 30 Meter hohe Pyramide “El Castillo”, die nach dem Lauf der Sonne ausgerichtet ist, steht dabei als Sinnbild der Baukünste der Maya. El Castillo besticht nicht nur durch die beeindruckende Bauweise: zweimal im Jahr, am 21. März und 21. September, versinkt eine Seite der Pyramide beim Sonnenuntergang beinahe komplett im Schatten. Nur die Treppe bleibt von der Sonne angestrahlt. Dieser Lichtfluss vereint sich in Folge für kurze Zeit mit einem steinernen Schlangenkopf am Fuß der Pyramide und stellt so eine gefiederte Schlange dar. Wer Chichen Itzà und El Castillo einmal besucht, wird erstaunt sein, wenn klatschende Besucher davor stehen: Der Schall des Klatschens wird von der Pyramide viele hundert Meter weit zurückgeworfen und verstärkt, was sich dabei anhört wie ein Pistolenschuss.

Allgemein wurden die Mayastätten nach astronomischen Gesichtspunkten wie Planeten oder dem Mond sowie religiösen Zwecken um einen Mittelpunkt gebaut. Zu religiösen Ritualen gehörte auch das Erbringen von Menschenopfern! Vor Kriegen, bei Dürren oder bei Hungersnöten wurden Menschenopfer dargebracht, um die Götter um Beistand und Besserung zu bitten. Die Götter spielten eine zentrale Rolle im Leben der Maya und wurden für viele Ereignisse wie die Ernte, den Regen und den Tod verantwortlich gemacht. Der wichtigste der Götter und Schöpfer des Universums war Hunabku.

Ein starker Bevölkerungsverlust fand zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert statt, in der gesamten Zentralregion Yucatáns. Eine Vielzahl von Stätten wurde verlassen und es wurden keine neuen mehr errichtet.
Der Zusammenbruch der Maya-Gesellschaft ist weiterhin ein umstrittenes Thema, da bisher kein triftiger Grund sondern eher mehrere Theorien existieren, wie Invasionen durch andere Kulturen, Katastrophen oder Epidemien als auch verschlechterte ökologische Gegebenheiten.
Im Gegensatz zu vielen anderen indigenen Völkern bestehen die Mayakultur und -stämme noch heute. Sie leben in Mexiko vorwiegend in Yucatán, Chiapas und Tabasco.

Das Volk der Olmeken

Olmekenkopf

Die Olmeken waren Mexikos älteste Zivilisation und wurden vielfach als die Träger der Mutterkultur Mesoamerikas angesehen, welche zwischen 2000 – 1500 v.Chr. die Golfküste von Mexiko besiedelten. Wie sich die Olmeken selbst nannten, ist bis dato aber ungeklärt. Die heutige Bezeichnung stammt aus der Sprache der Azteken und bedeutet so viel wie “Menschen aus Olman”, den Land des Kautschuks.
Ganz im Gegensatz zu den Mayas, haben die Olmeken keine Dokumente ihrer Mythologie hinterlassen, was v.a. Götterbildnisse anbelangt. Sie haben jedoch die späteren Kulturen in hohem Maße beeinflusst.
Bisher wurden 4 Hauptzentren der olmekischen Kultur entdeckt: San Lorenzo Tenochtitlán, La Venta, Cerro de las Mesas und Tres Zapotes. Ein besonderes Merkmal der Olmeken sind die immensen Köpfe, die aus Basalblöcken gehauen und aufgestellt wurden. Der Grundstein dafür ist erloschenes Vulkangestein des Vulkans Cerro el Vigía. Bemerkenswert dabei: Ein Kopf wiegt ca. 20 – 60 Tonnen! Um diese zu bewegen, wurden Rollen aus Holz für den Landweg oder auch Flöße auf dem Wasser verwendet.
Für die Olmeken war der Jaguar ein zentrales Thema in der Mythologie. Als typisches Motiv steht der so genannte Jaguarmensch, dessen Gestalt Züge eines Menschen und eines Jaguars verbindet.

Das Volk der Tolteken

Die Tolteken stammen aus dem nördlichen Teil Mexikos. Sie sprachen wie alle anderen Völker des Nordens Nahuatl, die zur Sprache Zentralmexikos wurde. Die Hauptstadt der Tolteken war Tollan (in der aztekischen Sprache), was in Mexiko besser als Tula bekannt ist. Die Ruinenstätte Tula de Allende liegt 65 km nordwestlich von Mexico City. Gegründet wurde das Volk der Tolteken wohl um 720.
Der wichtigste und zeitgleich letzte Herrscher der Tolteken war Quetzalcoatl, der seine Herrschaft 925 antrat. In alten Quellen heißt es, dass Quetzalcoatl durch Dämonen zu Ausschweifungen verleitet wurde, wodurch er Unglück über seine Heimat brachte. Aufgrund eines Bürgerkrieges und Rebellionen, verließen er sowie eine Vielzahl der Tolteken ihre Stadt Tollan. Ein Teil wanderte in den Süden ab, zu den dort ansäßigen Mixteken. Ein anderer Teil setzte sich auf Yucatán ab, wo die Mayas regierten. Allerdings eroberten sie auch wichtige Maya-Stätten.
Die Tolteken galten als besondere Künstler, vor allem in der Bildhauerei. Zudem zählten sich auch als gute Soldaten und Krieger. Große Statuen der toltekischen Krieger sind auch heute noch in Tula zu bestaunen, wie auf dem Tempel des Quetzalcóatl, auch Morgenstern-Pyramide genannt.

Tula Das Zentrum Tulas bildet eine große Zone, die vorwiegend zu zeremonialen Zwecken genutzt wurde. Es wird daher angenommen, dass im 11./12. Jahrhundert mehr als 60.000 Menschen Tula bzw. Tollan bewohnten. Das wohl bekannteste Gebäude ist der Tempel des Quetzalcoatl, der auch als Tempel des Tlahuizcalpantecuhtli bekannt ist. Es handelt sich um einen Pyramidenstumpf, der aus fünf übereinander angeordneten Pyramidenstufen besteht. Auf der Oberfläche sind drei Arten von Steinmonumenten zu finden: runde Säulentrommeln die zu den hochgerichteten Leibern von Federschlangen gehören. Dahinter stehen vier Gestalten von toltekischen Kriegern sowie quadratische Pfeiler mit flachen Zeichnung von Kriegern.
Über den Niedergang des Volkes ist man sich bis heute unschlüssig. In Frage kommen Bodenauslaugung, klimatische Veränderungen oder Invasionen durch andere Völker.

Das Volk von Teotihuacán

Die Ruinenstätte Teotihuacán gehört zu den bedeutendsten Kulturgütern der prähistorischen Zeit und ist seit 1987 ein UNESCO Weltkulturerbe. Zwischen 100 und 650 nach Christus hatte die Stadt Teotihuacán bis zu 200.000 Einwohner und war damit die ausnahmslos größte Stadt des amerikanischen Kontinents. Teotihuacán ist aztekisch; die Stadt liegt ca. 45 km von Mexico City.
Die Stätte gilt als das größte religiöse Zentrum des aztekischen Mexikos, wobei von den Bewohnern selbst nicht viel bekannt ist. Es wird vermutet, dass sie aus dem Norden des Landes stammten. Sie hinterließen jedoch prächtige Bauwerke – schwer vorstellbar, wie diese von Menschenkraft ohne moderne Geräte erbaut wurden.
An ihrem Zenit hatte die Stadt Teotihuacán eine Fläche von über 20 km². Die wichtigste Straße dabei war die Straße der Toten. Am nördlichen Ende steht die Mondpyramide, im Zentrum die Sonnenpyramide. Letztere zählt nach der Großen Pyramide von Cholula im Staat Puebla, als die zweitgrößte Pyramide in Amerika.
Teotihuacán war vom 1. bis zum 7. Jahrhundert besiedelt – was die Ursache für den Bevölkerungsschwund hatte, ist bis dato nicht ganz geklärt. Forscher vermuten u.a. Brände als Auslöser, da bei Ausgrabungen Brandspuren entdeckt wurden.

Die Pyramiden von Teotihuacan
Die Pyramiden von Teotihuacan

Das Volk der Mixteken

Das Volk der Mixteken trat erst nach dem Zapoteken hervor. Die Anfänge der Mixteken lassen sich bis ins 7. Jahrhundert verfolgen, obwohl sie erst rund 1.000 nach Christus ihren Aufschwung erlebten.
Mixteken ist aztektisch und bedeutet “Volk aus dem Wolkenland”. Sie stammten aus dem Nordwesten von Oaxaca und dem Süden von Puebla. Wichtige kulturelle und politische Zentren waren die Hauptstadt Tilantongo, als auch Städte wie Achiutla, Cuilapan oder Huajuapan. Längere Zeit herrschten die Mixteken auch über Monte Albán in Südmexiko.
Die Mixteken waren Schöpfer großer Kunstwerke, die in den Gräbern der Stadt gefunden wurden. Sie verwendeten als erste in Mesoamerika Techniken der Goldschmiedekunst.

Das Volk von Zapoteken

Zapoteken leben noch heute in Mexiko. Sie sind die Nachfahren einer Hochkultur, die in Oaxaca entstand. Der Name Zapoteca leitet sich aus dem Aztekischen ab. Diese bezeichnet die Zapoteca als Bewohner des Ortes, wo Zapote wächst. Zapotes sind Breiapfelbäume, die häufig in Oaxaca vorkommen.
Die Kultur der Zapoteken nahm ihren Anfang um 500 v. Chr. Woher sie kamen und wo ihr Ursprungsgebiet lag, ist unbekannt. Man vermutet in zentralen oder südlichen Teilen Zentralamerikas. Das Zentrum ihrer kulturellen Entwicklung war Monte Albán. Schon in der ersten Entwicklungsphase von Monte Albán tauchen Schrift- und Zahlzeichen auf. Doch nur in der Stadt Monte Albán sind Zeugnisse der Geschichte dieses Volkes zu entdecken.
Die Zapoteken standen ständig im Streit mit den Azteken im Norden und den Mixteken im Süden. Der zapotekische König Cocijo-eza löste diesen Streit, in dem er die Tochter des aztekischen Herrschers Ahuitzotl heiratete. Bevor die Spanier Mexiko eroberten, versöhnten sie sich auch mit den Mixteken.