Mexikanische Mentalität und Umgangsformen

Mexikanische Flagge

Herzlich, offen und freundlich – so wird die Mentalität der Mexikaner häufig beschrieben. Dennoch tritt man als Europäer gerne in das ein oder andere Fettnäpfchen. Um dies zu vermeiden und Gesten richtig zu deuten, ist es sinnvoll, sich über mexikanische Gepflogenheiten im Vorfeld Gedanken zu machen.

Fettnäpfchen vermeiden

Wer höflich und freundlich ist, kann mit typisch europäischen bzw. deutschen Umgangsformen auch in Mexiko wenig falsch machen. Respekt und Höflichkeit sind Mexikanern im Umgang sehr wichtig. Doch was gibt es sonst noch zu beachten?

  • Mexikaner sind stolze Menschen, insbesondere wenn es um ihr Land und ihre Kultur geht. Es kommt daher immer gut an, wenn Reisende etwas Wissen mitbringen und Interesse zeigen. Mexikaner sind Stolz auf ihre Nation und ihr Land. So ist es an Nationalfeiertagen auch üblich, dass die Flagge („Bandera“) ausgehängt wird.
  • Es sollte vermieden werden, politische und religiöse Angelegenheiten sowie insbesondere das Thema der Korruption in Mexiko anzusprechen. Wie erwähnt, sind Mexikaner sehr stolz auf ihr Land, wissen jedoch selbst, woran es mangelt und reagieren häufig etwas empfindlich auf bspw. politische Kritik von Ausländern.
  • Das Thema Kritik ist generell etwas heikel. Vor allem im beruflichen Umgang. Ist es für Deutsche normal, direkt kritisiert zu werden und Kritik zu äußern, können Mexikaner zwischen persönlicher und fachlicher Kritik schlecht unterscheiden. Sie deuten Kritik auch im beruflichen Umfeld schnell als direkte, negative Bewertung auf ihre Person, was sie sich oft sehr zu Herzen und persönlich nehmen. Demnach sollte man mit der deutschen Forschheit etwas aufpassen.
  • Mexiko ist ein sehr serviceorientiertes Land. Man wird in der Regel häufiger und schneller als in deutschen Geschäften angesprochen, was jedoch nichts aufdringliches ist. Es gehört lediglich zur guten Sitte, Höflichkeit und einen guten Service anzubieten.
  • Wer von den mexikanischen Ureinwohnern spricht, sollte nicht das Wort „Indio“ verwenden. Das kann als diskriminierend gelten. Stattdessen spricht man von „Indígena / Indígeno“ (gesprochen “Indichena/Indicheno”).
  • Das Verhältnis zwischen den USA und Mexiko ist aufgrund vergangener Gebietskriege und der politischen Lage, nicht optimal. Dennoch sind amerikanische Touristen gern gesehen. Als Europäer genießt man dennoch größere Beliebtheit unter den Mexikanern.
  • Das Trinken von Alkohol im Freien wird häufig nicht gestattet. Dies sollte beachtet werden.
  • Pünktlichkeit: „Mañana Mañana“ ist manchem schon aus Spanien bekannt. Auch Mexikaner haben es nicht immer mit der Pünktlichkeit. Das sollte man dennoch nicht als unhöflich empfinden. Die etwas lockere Handhabung mit der Uhrzeit gehört nun mal zur Latino-Mentalität. Auch ist es nicht unüblich, dass Mexikaner zu Verabredungen gerne mal 1-2 Stunden später eintreffen.
    Man sollte bei privaten Einladungen ruhig eine halbe Stunde später einplanen, das überpünktliche Erscheinen gilt sogar als unhöflich. Bei Geschäftsterminen wird jedoch Pünktlichkeit erwartet!
  • Zur Begrüßung schüttelt man sich auch in Mexiko die Hände. Unter guten Kollegen und Freunden wird sich jedoch auch mit Küsschen auf die Wange begrüßt.
  • Im Spanischen gibt es wie im Deutschen die „Sie“-Form. So werden Männer mit „Señor“ und Frauen als „Señorita“ (unverheiratet) bzw. „Señora“ (verheiratet) angesprochen. Da akademische Titel sehr ehrenvoll angesehen werden, bilden diese Teil der Anrede: “profesor” (Lehrer), “ingeniero” (Ingenieur) oder “licenciado” (allg. Universitätsabschluss).
  • Kleider machen Leute, das gilt v.a. in Mexiko. So ist es sehr üblich, dass sich im Beruf häufig elegant gekleidet wird. Für geschäftliche Treffen ist die Kleidung recht konservativ: Anzug und Krawatte für die Herren, ein formelles Kleid oder Kostüm für die Damen.
  • Trinkgeld ist in Mexiko wichtig, da Angestellte durch ihr niedriges Gehalt meist darauf angewiesen sind. 10-15% des Rechnungsbetrages sind in Ordnung. Hotelpersonal wie Zimmermädchen und Kofferträger, Einparkgehilfen und Aufpasser auf Parkplätzen, Tankwarte als auch Einpackhilfen im Supermarkt sollten ein kleines Trinkgeld erhalten.

Mexikanische Männer und der ‚Machismo‘

Als Machos werden Männer bezeichnet, die ihre Männlichkeit stets unter Beweis stellen müssen, was sich dabei an die traditionelle Trennung der Geschlechterrolle orientiert. In ländlichen Gegenden wird noch stärker nach der traditionellen Rollenverteilung gelebt, als in Städtischen. Männer sind als Alleinverdiener verantwortlich für die finanzielle Sicherheit der Familie. Die Frauen dagegen kümmern sich um die Kindererziehung sowie den Haushalt. Diese Lebensweisen sind zwar stereotypisch, werden aber häufig noch so gelebt.
Machos leben sich gerne als starke, mächtige Womanizer aus, die das Sagen haben. Das zumindest glauben Machos von sich selbst. Man muss ihnen jedoch auch zu Gute halten, dass sie sich stets um ihre Frauen und Familien kümmern, beschützend und durchaus romantisch sind (oder sein können).

Mexiko gilt quasi als Hochburg des Machismo – wobei erwähnt werden muss, dass die traditionelle Rolle der Frau einem Wandel unterliegt. Frauen studieren, gehen arbeiten, greifen nach Selbstbestimmung und leben diese vor allem in den städtischen Gegenden sehr aus. Der Machismo wird es zukünftig nicht leicht haben, sich weiterhin so stark durchzusetzen.

Kinder und Kindererziehung in Mexiko

Mexikaner sind Familienmenschen. Kinder gelten als Geschenk und werden sehr liberal erzogen. Sie erfahren viel Freiheit, auch in der Öffentlichkeit. Tobende Kindern sind normal, egal ob im Restaurant, Zügen oder öffentlichen Gebäuden. Kinder werden sehr bemuttert und wenig ermahnt. Sich über laute Kinder zu beschweren ist nicht angebracht.

Ein Buch-Tipp zum Schluss

Fettnäpfchenführer Mexiko

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will und mit ein wenig Humor noch stärker in die Gepflogenheiten Mexikos und der Mentalität eintauchen will, für den empfiehlt sich der Fettnäpfchenführer für Mexiko von Sara Mehlmer & Markus Höffer-Mehlmer. Durch die Episodenform, bei der erst eine kleine Geschichte erzählt wird, dann das Fettnäpfchen und schließlich die Tipps aufgezeigt werden, wie sich diese umgehen lassen, hat das Buch auch einen guten Unterhaltungswert!